Die Weiterverarbeitung von Glas zu Glasfiguren

Aus was besteht Glas eigentlich und wie wird es zu Glasfiguren weiterverarbeitet? Eine Frage, die nicht nur Kunstinteressierte beschäftigt, sondern auch allgemein beantwortet werden darf. Denn die Weiterverarbeitung von „Handmade Glasfiguren“ ist durchaus eine besondere Kunstart und unterscheidet sich grundsätzlich von maschinengefertigten Glaswaren. Während die traditionelle Handwerkskunst viel Fingerspitzengefühl benötigt und jeder Künstler ein Stück Persönlichkeit in seine Kreationen mit einfließen lässt, werden bei der Massenproduktion Glaswaren im Akkord gefertigt. Die Handwerksverarbeitung versteht sich als Philosophie und haucht jedem Produkt, sei es Glasfigur, Glasblume, Weihnachtskugel oder Windlicht, Einzigartigkeit ein.

Beginnen wir zunächst mit den Basics und der Definition von Glas.

Glas ist eine amorphe Substanz, die gewöhnlich durch Schmelzen erzeugt wird. Bei der Erstarrung der Schmelze bilden sich Kristallkeime, welche nicht genügend Zeit für den Kristallisationsprozess haben. Somit erstarrt das Glas zu einem Festkörper. Erhitzt man das Glas jedoch im Bereich der Glasübergangstemperatur, verflüssigt es sich und kann zu Glasfiguren weiterverarbeitet werden. Aus der Hitze des Feuers entstehen ganz unterschiedliche Glasfiguren, die sich in Größe und Art unterscheiden können. Das Glas, aus dem Glasfiguren gefertigt werden, ist allerdings nicht irgendein Glas, sondern ein Glas auf der Basis von Quarzsand und diversen Weichmachern. Es sind speziell diese Weichmacher, die dafür sorgen, dass das Glas für längere Zeit in der Hitze bearbeitet werden kann, ohne Glanz zu verlieren, denn das würde bei üblichen Gebrauchsglas, z. B. Flaschen passieren. Um Glasfiguren zu erstellen, benötigt es eine Temperatur von etwa 1000 °C.

Die Weiterverarbeitung von Glas zu Glasfiguren kann ganz unterschiedlich aussehen, so lassen sich beispielsweise Glastiere, Glasblumen zur Deko, Weihnachtskugeln oder Weihnachtswindlichter in unterschiedlichen Größen erzeugen. Durch leichtes Drehen im Feuer wird das Glas geformt. Es fühlt siech ein wenig an wie der Honig auf dem Löffel, den man hin und her schwenkt. Die funkelnde, wässrige Schönheit kommt allein von der Kunst des Mundblasens. Vor Tausenden von Jahren in Rom eingeführt, ist die Praxis des individuellen Mundblasens von Glaswaren ein langsamer und schöner Prozess. Die Farben und die zarte "gewellte" Textur des mundgeblasenen Glases erzeugen lebendige, gesprenkelte Reflexionen, die den Innenraum zu jeder Tages- und Jahreszeit und bei jedem Wetter beleben. Glasblasen ist ein uraltes Handwerk, bei dem geschmolzenes Glas zu funktionalen Objekten für Design- und Architekturanwendungen geformt wird. Es handelt sich um eine hochtechnische Kunstform, die eine spezielle Ausbildung und Fertigkeit erfordert. Denn Glasmagie entsteht nur mit Begabung und Geduld.

Wer sich jedes Jahr in Vorfreude auf Weihnachten einrichtet und sich die Weihnachtskugeln am Christbaum einmal genauer anschaut, wird erkennen, ob diese handgefertigt oder maschinell gefertigt worden sind. Wer eine kleine Einkerbung an der Unterseite der Kugel entdeckt, weiß diese wurde handgefertigt. Denn durch den Spieß, den es braucht, damit der Glasbläser rein blasen kann, erhält die Kugel ihre Form. Der Spieß wird danach angeknackt und abgebrochen. Mundgeblasene Weihnachtskugeln und Windlichter werden wie Glasblumen und Tiere in der Gasflamme
erwärmt und gedreht. Bei einer Temperatur von ca. 1000 °C wird die Kugel aus dem zähflüssigen Glas durch Blasen und Drehen frei geformt. Anschließend werden sie handbemalt und für den Verkauf vorbereitet. Den gläsernen Weihnachtsschmuck in Form von Weihnachtskugeln gibt es übrigens seit Mitte des 19. Jahrhunderts.

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